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Weltreiterspiele 2010/Leserreaktionen Vorbereitung, Konzentration, Verantwortung: Die Reiter sind gefordert Die Kritik von Sabine Kreuter, Mehrheitseigentümerin des Weltmeister-Pferdes La Biosthetique Sam, an den Geländeanforderungen in Kentucky ist auf ein zwiespältiges Publikumsecho gestoßen. Tendenz: Trotz der teils schlechten Bilder nehmen viele Leser den Course Designer Mike Etherington-Smith in Schutz. Hier die ungekürzten Leserzuschriften zu dem Beitrag: "Das war keine Werbung für den Sport" Der FEI-Veterinär Dr. Gerit Matthesen, Tierarzt bei den Weltreiterspielen, liefert Informationen aus erster Hand: Ich denke, es war ein sehr anspruchsvoller XC-Course hier in Lexington, mit dem sich Mike ES sicherlich ein kleines Denkmal gesetzt hat. Zur Fitness der Pferde kann ich nur sagen, nachdem ich alle im Ziel untersucht habe, dass diese angesichts des positiven Wetters zwar teils müde ins Ziel kamen, was nach 11 Minuten auch normal ist, aber nur ein Pferd richtig leer war, aber auch dies war nach Re-check in 5 Minuten wieder in Ordnung. Unter dem Strich, abzüglich derAusfaelle, ging das gut, aus meinem Bereich der Beurteilung! Dagmar Kirsch schreibt: Als ich das Buschreiter-Interview mit Frau Kreuter gelesen haben, ging mir ganz spontan durch den Kopf – wie haben die Pferde und Reiter, die wirklich langen Prüfungen mit Wegestecke, Rennbahn, Wegestecke, Q-Strecke bewältigen können? Sooo lange ist das noch nicht her!Ganz herzliche Glückwünsche an Sam und Michael Jung, es war einfach nur eine Freude zuzuschauen. buschreiter-Tagebuchschreiber Andreas Baumann, noch in den USA: Die Aussagen von Sabine Kreuter möchte ich so nicht unkommentiert lassen. Alle Reiter waren sich im Vorfeld einig, dass der Kurs championatswürdig sei. Bei den ausgeschiedenen Paaren muss man nüchtern bilanzieren, welche Ursache zum Ausschluss führte. Auch darf nicht übersehen werden, dass einige Paare einfach aufgegeben haben (Linda Algotsson) oder schlicht durch einen Rumpler heruntergefallen sind, ohne dass das Pferd zu Schaden kam. Sabrina Graf schreibt zum Thema: Natürlich sieht man so eine Geländestrecke wie in Kentucky sehr selten. Alleine schon das hügelige Gelände sind eine Herausforderung. Bei manchen Sprüngen konnte man auch schon mal große Augen machen, aber es war eine Weltmeisterschaft. Ich kann mich gut an das Achselschwanger Gelände erinnern, wo alleine schon das Geläuf vielen Schwierigkeiten bereitet hat. Die Pferde mussten für Kentucky also schon sehr gut trainiert gewesen sein. Denn bei manchem Starter hatten man schon das Gefühl, Pferd und Reiter scheinen überfordert. Bei den Deutschen, so glaubt man gesehen zu haben, war dies sicherlich kein Thema. Keines schien durch gewesen zu sein. Bei Simone und Dirk, das werden die auch so sehen, war die Kondition sicher noch da, denn bis dahin waren die zwei super unterwegs. Man ist halt erst daheim, wenn man die Ziellinie durchritten hat. Auch bei den anderen war es halt Pech. Das passiert, dass man mal einen Steher hat oder die Linie nicht halten kann. Denn ansonsten waren doch alle super unterwegs gewesen. Michael und Sam schienen ja auch alles richtig gemacht zu haben. Sam war, trotz seines jungen Alters, mental wie körperlich fit. Eine grandiose Vorstellung. Ich kann nur noch anmerken, das ich selten so viele junge Pferde, bei so einer Großveranstaltung erlebt habe. Da erwarte ich vom Reiter, dass er in sein Pferd hineinhorcht, um es vor Schaden zu bewahren. Denn Ausfälle und Verletzungen gibt es leider bei fast allen Vielseitigkeiten. Abschließend kann ich nur feststellen, das das Cross zwar lang und schwer war, aber machbar, und das hat man ja auch bei vielen gesehen. Erwin Känel aus der Schweiz: Die Meinung von Frau Kreuter kann ich so nicht teilen. Sicher sind die Abmessungen gegeben, was eine 4*- Prüfung ausmacht, denn schliesslich ist es ja eine WM und bekanntlich nicht Reiten auf einem Ponyhof. Die Stürze, die ich auf ZDF info gesehen habe, und ich war ca. 6 Std. am TV, waren aber ausnahmslos reine Reiterfehler – und nicht weil die Pferde alle waren. Und Simone Deitermann: Na ja, wenn sie ehrlich mit sich selber ist , dann sieht sie, wenn sie die Aufzeichnung anschaut, dass ihr wahrscheinlich die Nerven einen Streich gespielt haben. Wie dem auch sei, ich fand es tollen Sport. Und es hat der richtige gewonnen. Für Rainer Leymann gibt es keine Zweifel, dass dies ein absolut WM-tauglicher Kurs war: Zunächst herzlichen Glückwunsch, Frau Kreuter, zum WM-Titel Ihres Sam, der unter seinem Reiter Michael Jung eine sensationelle Leistung gezeigt hat und völlig verdient Weltmeister geworden ist. Sie haben als aktive Vielseitigkeits- und Jagdreiterin mir gegenüber bei der Einschätzung von Geländestrecken sicher erhebliche Vorteile, aber nach 18 Jahren Berichterstattung denke ich mir auch ein Urteil erlauben zu können. Ich kann Ihre Kritik an der Strecke von Mike Etherington-Smith in keinster Weise teilen. In meinen Augen hat der Brite einen sehr schönen und einer WM angemessenen Geländekurs gebaut, bei dem es viele technische Abfragen und sicher viel für die Pferde zu springen galt. Aber sowohl die Linienführung, die Anordnung der Hindernisse als auch die Aufgabenstellungen waren klar gestellt und für die Pferde gut ersichtlich. Von der Länge der Strecke und Anzahl der Hindernisse (28) bewegte sich der Kurs mit einer Bestzeit von 11:14 Minuten völlig im Rahmen - zum Vergleich in Aachen 2006 war die Bestzeit 11:12 Minuten. Von 79 Paaren beendeten 60 Kombinationen den Kurs, davon 40 ohne Hindernisfehler und sogar 14 auch noch in der Zeit, obwohl das kupierte Gelände vom Profil schwerer war als Aachen, wo damals elf Paare ohne Zeitfehler bleiben. Während in Lexington 19 Paare im Gelände ausschieden, waren es in Aachen 17 von 76. Auch die Anzahl der Stürze ist fast identisch: Lexington 10; Aachen 9. Die beiden Stürze von Gadget de la Cere und Free Easy NRW kann man nun ganz sicher nicht dem Aufbauer anlasten - an diesen beiden Sprüngen hatten alle anderen 60 Paare, die ins Ziel kamen, kein einziges Problem – und müde waren beide Pferde auch nicht. Als weitere Bespiele möchte ich noch die Stürze der Schwedin Katrin Norling und des Australiers Sam Griffiths an Nr. 8 erwähnen, wo falsche Entscheidungen der Reiter verantwortlich für das Ausscheiden waren. Die offensichtlich schwerste Verletzung eines Pferdes - Inonothing/Paul Tapner - ereignete sich beim Anreiten auf das Hindernis Nr. 13 und hatte nichts mit dem Aufbau zu tun. Natürlich gab es auch deutlich müde Pferde im Gelände, die teilweise mit bis zu drei Minuten Zeitüberschreitung ins Ziel kamen oder nach drei Verweigerungen ausschieden. Hier muss die FEI gründlich über die Qualifikationsnormen nachdenken, denn solche Paare haben bei einer WM nichts zu suchen und diese produzieren dann die für den gesamten Sport schädlichen schlechten Bilder. Das abschließende Springen mit 24 Paaren ohne Springfehler (von 55) ist für mich ein weiterer Beweis, dass der Geländekurs die gut vorbereiteten Paare in keinster Weise überfordert hat. Jürgen Wich aus Bayern geht auch auf Distanz: Sicher ist die Bilanz der Stürze im ersten Augenblick erdrückend. Schade nur, dass Ihre Zeitung die Besitzerin des Goldpferdes als einzige zu Wort kommen lässt. Auf einem TV das Geschehen zu beurteilen, find ich ziemlich fraglich. Was sagen die aktiven Reiter vor Ort? Waren wirklich alle Pferde fit für eine 4 Sterne Prüfung?... Warum haben die Reiter, welche ja auch eine Verantwortung für Ihr Pferd haben – nicht die Notbremse gezogen und die Prüfung im laufenden Wettkampf abgebrochen? Diese Entscheidung über Vermögen und Ermüdung des Pferdes muss man in diesem Augenblick dem Reiter überlassen. Kann es vielleicht aber auch sein, dass der oder die Reiter/in unkonzentriert geritten sind oder sich vielleicht schon im Ziel gesehen haben. Die Antwort weiß in erster Linie der Reiter selbst. Andere Stürze wären evtl. zu vermeiden gewesen – nehmen wir z. B. die Stürze an der Mauerecke – wer so weit von der Ideallinie abweicht – riskiert Kopf und Kragen! Trotz allem! Der Reiter muss im Bruchteil einer Sec. Entscheidungen treffen – manchmal zum Guten und mach mal geht’s völlig schief. Auf so einem hohen Niveau zu reiten – macht den Grad zwischen der richtigen und falschen Entscheidung verdammt schmal. Trotz aller Kritik und Überlegungen gab es auch einige Ritte wie aus dem Bilderbuch! Kilian Ackermann schreibt zum Thema: Entgegen dem Trend teile ich die Kritik von Frau Kreuter so nicht. Seit Jahren wurde endlich ein Kurs gebaut, bei dem die Pferde frisch vorwärts galoppieren durften und nicht schon über den Sprüngen ständigen Richtungswechseln unterworfen und damit quasi "bestraft" werden. Der Kurs war phantasievoll, respekteinflössend und vor allem fair gebaut, sinnvolle Alternativen gab es genug. Das Geläuf machte auf mich einen optimalen Eindruck. "Antun" tun vor allem diejenigen den Pferden etwas, die nicht dem Niveau angemessen reiten bzw. denen im entscheidenden Moment die Konzentration fehlt. Leider gab es auch solche Bilder! Ausfälle gab es immer und wird es auch in Zukunft immer geben. Immerhin war das eine WM auf 4-Sterne-Niveau! Die Reiter und die Verantwortlichen wussten, dass sie kein leichter Kurs erwarten wird. Es kann nicht von Nachteil sein, wenn 4-Sterne-Prüfungen auch eine gewisse Länge haben. Das erhöht die Anforderung an den Trainingsaufwand. Bei gewissenhafter Vorbereitung sollte dann eine Verbesserung der Kondition von Reiter und Pferd einhergehen. Das haben die meisten Reiter eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich freue mich jetzt schon auf London! J. Lindner hat zu dem Thema beizutragen: Da "brennt ja richtig die Luft"! Aber was soll´s, viele Menschen - viele Meinungen, und das Ergebnis von Kentucky ist sicherlich weder auf ein Versagen unserer Mannschaft noch auf falsche Nominierungen der Trainer oder etwa den Kursaufbauer zurückzuführen. Das Scheitern unserer erfahrenen Championatstruppe ist Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren die gerade in der Vielseitigkeit so pokerfacig daherkommen wie wohl in keiner anderen Reitsportdisziplin. Ich bin nicht enttäuscht weil meine Erwartungen gar nicht so hoch waren. Die Erfahrungen vieler Weltmeisterschaften zeigen doch wohl deutlich genug, dass eine Weltmeisterschaft so ganz und gar nicht mit einem der üblichen Championate zu vergleichen ist. Hier messen sich die besten Pferde und Reiter der Welt. Die Qualifikation ist höchsten Normen unterworfen und der verantwortliche Designer für die Geländeprüfung baut grundsätzlich grenzwertig! Das war zur WM 1998 in Rom auch nicht anders, und auch hier wurde speziell durch verlorene Eisen im Gelände auch schon eine WM verloren. Ich akzeptiere das und behalte dafür wunderbare Dressurvorstellungen speziell von Sam und auch von Mr. Medicott in Erinnerung, die mir genauso den Atem verschlugen wie deren Springvorstellung am Abschlusstag. Ich freu` mich auf die Europameisterschaft 2011 in Luhmühlen und wünsche mir, dass hier speziell die zahlreichen Vielseitigkeitsreiterinnen und Reiter die bisher nicht berücksichtigt wurden, zeigen, was sie "drauf" haben und den Europameistertitel nach Deutschland holen. Großartig, auch in Deutschland eine Madeleine Winter - Schulze zu haben, Danke .... Es ist naiv zu glauben, wir könnten ein Pferd wie Sam so "locker" mal eben schnell ersetzen !!! Natürlich ist unser Michael Jung ein perfekter Vielseitigkeitsreiter und Weltmeister, nur einen Sam gibt es vielleicht aller 10 Jahre einmal, und wir sind gut beraten, jetzt nicht "überheblich" zu werden, nur weil wir einen "Sam" nun gleich 2 x hintereinander hatten (der erste "Sam" hat den Namen "Marius") !!! Dass Frau S. Kreuter den Weltmeisterschaftskurs des Geländetages so "hart" kritisiert, ist ihre Meinung und möglicherweise vergleicht sie ja einen Olympiakurs mit dem einer WM!? Oder sie war einfach voll von Sorge und Angst um "ihr" Pferd Sam?! Auf so einem Kurs kann so ein "Pferdetraum" auch ganz schnell nach "hinten" losgehen, und ich möchte nicht wissen, wie ich den Kurs eingeschätzt hätte, wenn "mein" Pferd da am Start gewesen wäre! Alles sehr menschlich und verständlich - finde ich. Ich hoffe, alle Teilnehmer sind gesund zurück - Mensch und Pferd ! Was ich persönlich in Kentucky nicht erwartet hatte, war der relativ niedrige Stellenwert, den die Dressurleistungen einbrachten - aber das war wohl auch wieder typisch für eine WM ?! Kentucky ist "gewesen" und Luhmühlen "wird sein", ich setze auf die Zukunft ! Der Beitrag: "Das war keine Werbung für den Sport" |
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