Tödlicher Unfall in Italien: Sebastian Steiner erliegt seinen Verletzungen
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Beim CIC*** im italienischen Montelibretti ist der 22 Jahre alte österreichische Vielseitigkeitsreiter Sebastian Steiner am Samstag nach einem Sturz mit dem 15 Jahre alten Wallach Cartago seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Drei-Sterne-Prüfung wurde auf Drängen der Reiter abgebrochen.
Nach Informationen von buschreiter.de war Sebastian Steiner als 6. Starter mit Cartago auf die Drei-Sterne-Strecke gegangen. Am letzten Element der Sprungfolge 9-10-11 passierte es dann gegen 15.30 Uhr nach Informationen von Reitersprecher Robert Sirch: Am letzten Sprung der Kombination mit Baumstamm-Elementen überschlug sich Cartago und landete aus etwa vier Metern Höhe auf dem Kopf des Reiters. Sebastian Steiner sei sofort tot gewesen, berichtete Robert Sirch. Das Pferd blieb bei dem Sturz unverletzt. Nach Informationen von equi-news.de ist Sebastian Steiner an Ort und Stelle reanimiert und per Helikopter in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht worden; der junge Österreicher sei aber nicht mehr zu retten gewesen, zitiert die Internet-Seite eine Stellungnahme der italienischen FN.
Distanzen in Ordnung
Der Reitersprecher versicherte am Sonntag im buschreiter-Interview, dass der Sprung, die Hindernisfolge und auch die Distanzen in Ordnung gewesen seien; man könne dem Course Designer und dem Technischen Delegierten keinerlei Vorwurf machen. Die äußeren Bedingungen des Turniers in Montelibretti seien optimal gewesen. Insbesondere die Bodenverhältnisse seien hervorragend gewesen. Robert Sirch: "Es wäre nicht gerecht, wenn man jetzt einen Schuldigen suchen würde, das war ein Unfall, wie er eben leider passieren kann."
"Er war gut vorbereitet"
Sebastian Steiner hat als Junior und Junger Reiter bereits an mehreren internationalen Championaten teilgenommen. Er vertrat Österreich bei den Junioren-Europameisterschaften 2004 (Pratoni del Vivaro) und 2005 (Saumur); als Junger Reiter nahm er an den europäischen Titelkämpfen in Pardubice (2006), Blair Castle (2007) und Kreuth (2008) teil - bei jedem Championat war Cartago sein vierbeiniger Partner. Er galt als besonnener und guter Reiter, der bereits bei Drei-Sterne-Prüfungen, zuletzt in Feldbach in Österreich, am Start gewesen ist. Robert Sirch war einer der letzten, der mit Sebastian Steiner auf dem Abreiteplatz kurz vor dem verhängnisvollen Start gesprochen hat: "Er war auf diese Prüfung gut vorbereitet und ist mit Sicherheit nicht fahrlässig losgeritten."
Hubschrauber startete nicht
Nach dem tragischen Sturz des österreichischen Paares herrschte einige Zeit gespannte Unsicherheit auf dem Turnierplatz und auf dem Abreiteareal. Robert Sirch berichtete, ein Rettungshubschrauber sei gelandet und lange Zeit nicht gestartet. "Da wussten wir schon, dass das nichts Gutes bedeutet." Die Veranstalter hätten erst nicht mitgeteilt, dass es zu dem tödlichen Unfall gekommen sei. Zwischendurch sei dann mitgeteilt worden, die Hindernisfolge 7 bis 11 werde herausgenommen; die Prüfung sollte danach fortgesetzt werden. "Wir haben dann gesagt, wenn es stimmt, dass da ein Toter liegt, dann könnt ihr nicht weitermachen", so Robert Sirch, der zusammen mit einer italienischen Eventerin als Reitersprecher fungierte und mit den Offiziellen über die Frage der Fortsetzung des Turniers beriet. Daraufhin sei dann die Drei-Sterne-Prüfung abgebrochen worden. Sirch hat ein gewisses Verständnis für die erste Reaktion der Offiziellen: "Die haben nicht jeden Tag einen Toten, das ist der Supergau für einen Veranstalter."
Zum Zeitpunkt des Unfalls waren die Geländeteilprüfungen der Ein- und Zwei-Sterne-Prüfung bereits über die Bühne gegangen. Diese beiden Prüfungen wurden dann am Sonntag, einen Tag nach dem tödlichen Unfall im Cross, mit dem Springen beendet.
Österreicher brachen Turnier ab
Die österreichischen Starter in Montelibretti, darunter die Championatsreiter Harald Siegl und Margit Appelt, zogen nach dem Unglück zurück. Bereits am Samstag verbreitete sich die Nachricht von dem tödlichen Unfall in der internationalen Vielseitigkeitsszene wie ein Lauffeuer. Auf vielen Events im In- und Ausland war die Bestürzung über den Tod des jungen Österreichers groß. Beim Turnier in Wiener Neustadt bespielsweise war ein Teil der Reiter mit Trauerflor am Start; andere traten vor Ende der Prüfungen die Heimreise an.
Ein "Supertyp" mit großem Talent
Sebastian Steiner galt trotz seines Alters als erfahrener, versierter und besonnener Reiter mit großem Talent. Robert Sirch formuliert die Gefühle der Reiterkollegen: "Für alle ist der Schock groß, wir kannten Sebastian als einen Supertypen, der menschlich absolut in Ordnung war."
Nach Angaben der FEI war dies seit 2002 der siebte tödliche Unfall bei einem international ausgeschriebenen Vielseitigkeits-Turnier. In diesem Zeitraum gab es nach Angaben des Weltverbandes mehr als 2900 Veranstaltungen.
|