Kontrollen bei Pferden
Doping-Tester nun auch an der Boxentür
VON WOLF-DIETRICH NAHR
Seit dem 1. April müssen die Reiter von Kaderpferden jederzeit, also auch im heimischen Stall, mit unangekündigten Dopingkontrollen nicht nur der Jockeys, sondern auch der Vierbeiner rechnen. Bundestrainer Hans Melzer sieht die Neuregelung recht gelassen.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) haben einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet, der bis zum 31. März 2013 gilt. Demnach führt die NADA im Auftrag der FN Medikationskontrollen bei Pferden außerhalb von Wettkämpfen durch. Bislang kontrollierte die NADA nur die Humansportler der olympischen Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit im Training und Wettkampf.
FN kontrolliert Wettkämpfe
Für die Wettkampfkontrollen der Pferde bei nationalen Turnieren in Deutschland ist weiter die FN selbst verantwortlich. „Durch die Einführung von Trainingskontrollen und deren Übergabe in den Verantwortungsbereich der NADA ist uns ein weiterer Schritt in Richtung fairer Pferdesport gelungen“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach laut Pressemitteilung. „Die rechtlichen und vertraglichen Grundlagen für die Trainingskontrollen wurden geschaffen. Jetzt gilt es die Details für die praktische Umsetzung zu klären.“
"Reiter stehen voll dahinter"
Auch bisher schon mussten die Reiter in der Regel im online-Verfahren ihren jeweiligen Aufenthaltsort mitteilen, um so unangekündigten Dopingkontrolleuren zur Verfügung zu stehen. Die NADA wird nun auch auf der Matte stehen, um bei Pferden nach dem Einsatz von unerlaubten Substanzen zu forschen. Bundestrainer Melzer sieht darin einen zusätzlichen "zeitlichen Aufwand" der Reiter, ist aber vom Sinn und Zweck der Dopingkontrollen überzeugt: "Die Reiter stehen voll dahinter."
Behandlungen dokumentiert
Der Coach berichtete, dass alle Reiter penibel ein Stallbuch führen und dort zum Beispiel verabreichte Medikamente in Absprache mit ihren Heimtierärzten genau dokumentieren. Melzer: "Jeder weiß, dass er mit offenen Karten spielen muss und nicht versuchen darf, etwas zu verheimlichen."
Skandale bisher ausgeblieben
Während die anderen Reitsportdisziplinen bereits Schlagzeilen wegen dubioser Medikation oder gar wegen des Verdachts leistungssteigenden Dopings gemacht haben, ist der deutsche Top-Vielseitigkeitssport bisher – so weit bekannt – von solchen Skandalen verschont geblieben. In Einzelfällen waren zwar Präparate festgestellt worden; nach vorliegenden Informationen konnte immer der Zusammenhang mit der medizinischen Behandlung eines Pferdes nachgewiesen werden.
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