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Über viele Jahres eines der erfolgreichsten Vielseitigkeitspferde im Lande: Oliver Weiss' Our Gipsy (Foto privat)

Our Gipsy eingeschläfert

Ein verlorenes Eisen vereitelte Olympia

Eines der erfolgreichsten deutschen Vielseitigkeitspferde ist nicht mehr: Im gesegneten Alter von 28 Jahren ist kürzlich Our Gipsy von Oliver Weiss eingeschläfert worden.

Bekommen hat die Familie Weiss aus Deggendorf in Bayern Gipsy mit fünf Jahren. Oliver Weiss war damals 14 Jahre alt und Gipsy war in England dreijährig schon Steeplechaserennen und danach Vielseitigkeit gegangen. Herübergeholt hat ihn Dieter Hesselbach. Das erste halbe Jahr stand er bei Albrecht von Bredow zur Ausbildung. Oliver Weiss erinnert sich: "Meine Eltern haben mich am Wochenende zum Training nach Mertingen gefahren."

Sehr menschenbezogen

Our Gipsy bekam dann ein halbes Jahr später noch einen irischen Stallkollegen Green Hills, aber die beiden wurden außer am Turnier keine großen Freunde. Der Irlandkonflikt wurde auch im heimischen Stall ausgefochten. Weiss: "Überhaupt war unser Gipsl ein sehr, sehr menschenbezogenes Pferd, das mit anderen Pferden wenig anfangen konnte. Er musste auf der Koppel alleine stehen, blieb aber immer ohne Führstrick dort stehen, wo man ihn hinstellte."

Burghley, Boekelo, Championate

Sein erstes Turnier war eine lange L in Marbach, wo er auf Anhieb Fünfter wurde. Von dort ging es gleich zu seiner ersten deutschen Meisterschaft Junioren.  Insgesamt ging Our Gipsy  neun deutsche Meisterschaften (Junioren, Junge Reiter und Senioren), nahm an drei Europameisterschaften (zwei Mal Junge Reiter, damals auf CCI*** und Senioren), ging in Burghley und Boekelo, gewann zwei Medaillen bei deutschen Meisterschaften und eine Medaille bei Europameisterschaften.

Sieben Jahre im Bundeskader

Our Gipsy war auf der Longlist für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta, durfte aber wegen eines abgezogenen Eisens nicht mit. Und er war eigentlich in den zehn Jahren fast immer platziert. Oliver Weiss: "Er und seine zwei Stallkollegen waren so erfolgreich, dass er sieben Jahre im Bundeskader war - und einmal sogar alle drei im A-Kader, was damals schon fast ungeheuerlich war. Und irgendwie haben die Drei es auch geschafft, dass ich mit 21 die Erfolge für das goldene Reitabzeichen zusammen hatte, was aber von uns keiner wusste. Und bei der Verleihung später in Warendorf meinte man, dass sie sich schon gewundert hätten, ob wir bis zur Pensionierung damit warten wollten."

Voller Vorfreude an der Boxentür

Und der Besitzer und Reiter erinnert sich weiter: "Aber abgesehen von seinen sportlichen Erfolgen  war er ein Mitglied unserer Familie, über 23 Jahre war er bei uns, hat alle seine Kumpels überlebt und miterlebt, hat den Jüngeren Anstand und Mores gelehrt, meiner Mutter, als er sechzehnjährig gesund und munter in Pension ging, drei mal in der Woche schöne Ausritte geschenkt und die letzten Jahre auf seiner Koppel bei uns den Lebensabend genossen. Insgesamt war er zwölf Jahre Pensionär, wobei er diesen Ausdruck nicht gemocht hätten, denn jedes Mal auch im Alter war er immer an der Boxentür gestanden und hat voller Vorfreude zugesehen, wenn die anderen Stallgefährten zum Turnier oder Training gefahren sind - und er hat mit viel Nachdruck darauf hingewiesen, dass er auch mit möchte."  

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