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Traumtyp des modernen Vielseitigkeitspferdes: Der Bundeschampion der Fünfjährigen, Priemus, unter Nils Trebbe (Fotos Ronald Hogrebe)

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Bundeschampionat 2011

Phänomenaler Priemus war der Primus

VON JESSICA KAUP (Text) UND RONALD HOGREBE (Fotos)

Buschsport auf hohem Niveau, das boten die potenziellen Cross-Cracks über vier Tage beim Bundeschampionat 2011. Dabei erwies sich der Jahrgang der Fünfjährigen nicht nur zahlenmäßig, sondern auch mit Blick auf die Leistung durchaus stärker als die Gruppe der Sechsjährigen. Das Maß aller Dinge – wie so oft in jüngster Zeit und zuletzt bei der Europameisterschaft: Michael Jung und die von ihm vorgestellten Talente.

Er überstrahlte alles: Priemus, der neue Bundeschchampion der fünfjährigen Buschpferde. Mit Platz zwei nach Dressur und Springen in einer hervorragenden Ausgangsposition liegend, brachte der hochbeinige Rappe das Richtergremium im Final-Cross zum Schwärmen. Karsten Huck, Horst Karsten und Hans Melzer waren begeistert von der ausbalancierten Galoppade, mit welcher der leichtfüßige Wallach die 1.550 Meter lange, knifflige Strecke absolvierte – ohne Fehl und Tadel. 9,5 gab es für sicheres, elastisches Springen, für Mut, für Leistungsbereitschaft und für eine Pferdemodell, das laut Melzer den Traumtypus des modernen Vielseitigkeitspferdes verkörpert.

17-jähriger Jockey

Das sieht auch Priemus' Reiter Nils Trebbe so: „Priemus ist einfach super“, strahlte der siebzehnjährige Gymnasiast nach seinem fulminanten Auftritt in Warendorf übers ganze Gesicht. Was den aus der Zucht von Josef Rosendahl stammenden Sohn des Primeur´s As charakterlich auszeichnet? „Er hat einfach keine schlechten Tage, hat immer Spaß an seiner Arbeit und will lernen“. Beste Voraussetzungen also für einen erfolgreichen weiteren Karriereverlauf, der, so verriet Züchter Rosendahl, auch weiter unter dem Sattel von Nils Trebbe stattfinden wird. „Nils ist ein sehr gefühlvoller Reiter, der Priemus seit anderthalb Jahren reitet und mit ihm eine tolle Entwicklung genommen hat“.

Starke Konkurrenz

Schon der Qualifikationsverlauf – hier gab es unter anderem beim Turnier in Riesenbeck eine 9,0 – ließ für Warendorf hoffen, doch, so der Züchter, der den jungen Reiter beim Crosstraining unterstützt, hatte man an diesen Triumph nicht wirklich gedacht. Ohne Zweifel saß dem vier- und – wie man hier mit Recht auch sagen darf - dem zweibeinigen Talent starke Konkurrenz im Nacken. Immerhin verwies der Reiter des Reitervereins Gustav Rau Westerbevern keinen Geringeren als den frisch gebackenen Doppeleuropameister Michael Jung auf den Silberrang.

Hohe Vornoten

Der Profi pilotierte die Württemberger Stute Cavallandra FBW (v. Cavallieri xx, M.v. Rainbow) in so optimaler Weise durch den Cross, so dass die Fuchsstute, die laut Richterurteil nicht unbedingt dem Prototypen des Buschpferdes entsprach, letztlich mit hohen Vornoten aus Dressur und Springen und einer Geländebewertung von 8,5 auf Platz zwei landete.

Hohe Rittigkeitswerte

Auch mit dem Bronzemedaillisten ließen Niels und sein Priemus einen weiteren hocherfolgreichen Buschprofi hinter sich: Dirk Schrade hatte mit Chica mia (v.Clearway, M.v. Cassini I) eine Schimmelstute gesattelt, die ihren dritten Platz nach Dressur und Springen mit einer 8,5 im Gelände erfolgreich verteidigte. Ihr bescheinigte die Jury hohe Rittigkeitswerte, sowie ein tolles Grundvermögen, das bei mehr Routine sicherlich Großes hoffen lässt.

Spitzennoten bei Qualifikation

Enttäuschend verlief das Finale für Tiberius. Der Trakehner Rappwallach, Sohn des Titulus (M.v. Beg xx), hatte unter Beeke Kaack sowohl die Einlaufprüfung als auch die Finalqualifikation mit Spitzennoten von 9,0 und 9,2 gewonnen, konnte seine Leistung dann in keiner der Teilprüfungen im Finale mehr abrufen. Nichts desto trotz, auch dieses Pferd eine echtes Buschtalent.

Unsanftes Ende

Insgesamt bewarben sich 47 Teilnehmer bei den Fünfjährigen, von denen 16 im Finale starteten. Pechvögel in dieser Konkurrenz: Andreas Brandt und Andreas Dibowski – in den Vorjahren stets Garanten für Titel und vordere Platzierungen. Letzteren traf es besonders hart. Seine Versuche, Hans Dampf und Cracker Jack fürs Finale zu qualifizieren, endeten jeweils unsanft am beziehungsweise im Wasser.

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Welt- und Europameister Michael Jung ritt Rocana zum Titel bei den Sechsjährigen (Foto Ronald Hogrebe)

Zauberhafte Rocana

Ohne Zweifel, er hat zur Zeit die Siegerhosen an – und die besten Pferde im Stall: Michael Jung. Bei den sechsjährigen Buschpferden ritt der erfolgsverwöhnte Jungprofi mit Rocana das insgesamt kompletteste und damit siegreiche Pferd: Die elegante Stute aus der Zucht von Mirko Glotz kam nach Dressur und Springen in Führung liegend ins Finale und zeigte dort eine überaus ansprechende Runde. Die Tochter des Vollblüters Ituango xx (M.v.Carismo) verfüge über eine ausgesprochen praktische Galoppade, urteilte die Jury, lobte Gleichmaß, Rhythmus, Balance und sicheres Sprungvermögen. Auch eine Schrecksekunde nach der Sunken Road änderte nichts an der zu Recht positiven Bewertung von 8,9 - nicht die Tageshöchstnote, doch rein rechnerisch nicht mehr einzuholen.

Mit den Klippen gespielt

Das schien auch der Wettergott mitbekommen zu haben, denn er öffnete über den nachfolgenden Reitern seine Schleusen. Unbeeindruckt von dem sintflutartigen Unwetter zog Kai-Steffen Meier auf dem Vorjahreschampion Royal Sun seine Runden und überzeugte mit absoluter Rittigkeit. Sein dunkelbrauner Rheinländer spielte mit den anspruchsvollen Klippen, trotzte dem matschigen Geläuf überaus leichtfüßig. 9,1 gab´s von den Juroren für den so talentierten Sohn des Rocket Star (M.v.Espri).

Lob fürs Interieur

Ein versöhnliches Ende erwischte im Finale des Cross auch Andreas Dibowski. Zwar landete „Dibo“ auf seiner Eskadia (v. Escudo, M.v. Groom Dancer xx) nicht mehr auf einem Medaillenrang, eine 9,0 und viel Lob fürs Interieur der Hannoveraner Stute bescherten ihm am Rang vier.

Auf den Bronzerang pilotierte Malin Peterson Lena, eine sechsjährige bayerische Stute, gezogen von Helga Keffel-Nitzbon. Auch sie konnte mit 9,0 eine Höchstbewertung im Cross einheimsen.

Schwach besetzter Jahrgang

Insgesamt war der Jahrgang der Sechsjährigen in diesem Jahr mit 25 Teilnehmern an der Finalqualifikation vergleichsweise schwach besetzt und bot nicht allzu viele herausragende Paare. Besonderes Manko: Die Schwäche der jungen Buschpferde im Parcours. Hier gab es reihenweise Noten unter der 5,0-Schallgrenze, so dass potentielle Paarungen ihr Punktekonto vor dem entscheidenden Cross nicht mit genügend Zählern füllen konnten.

Coole Gelassenheit

Das galt natürlich nicht für die frisch gekürte Bundeschampioness, welche die Feierlichkeiten in cooler Gelassenheit genoss – zum Erstaunen der Zuschauer übrigens ohne ihren Reiter: Der hatte nämlich derweil schon wieder im Springsattel Platz genommen und kämpfte im Parcours ebenfalls mit um den Titel des Bundeschampions. Mutter Brigitte aber wohnte der Ehrung bei und zeigte ihr strahlendstes Lächeln. Kein Wunder: Schließlich ist sie Besitzerin der zauberhaften Braunen, die Familie Jung im vergangenen Jahr von einer Bekannten kaufte: „Michael hat sofort das Potential der handlichen Stute erkannt und sich mit ihr super wohl gefühlt“, so die stolze Mama, die über die Stärken von Rocana sagt: „Sie ist so ein feines Pferd. Sie will alles richtig machen und ist eine wahre Musterschülerin. Dabei hat sie Nerven aus Drahtseilen.“

Eine perfekte Kombination also, die da in Horb zusammenwächst und darauf schließen lässt, das Michael Jung auch über Sam hinaus eine goldige Zukunft ins Auge fassen kann.

Und zu guter Letzt: Der Vater von Bundeschampioness Rocana, der Vollblüter Ituango xx wurde noch während des Bundeschampionats vom Baden-Württembergischen Landgestüt Marbach erwoben...

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Sarah Schmierer pilotierte Moonlight Kiss zum Sieg im Bundeschampionat der Vielseitigkeitsponys (Foto Ronald Hogrebe)

Kleine Stars

Moonlight Kiss heißt der Sieger bei den Buschponies. Der dunkelbraune Westfalenwallach präsentierte sich in allen drei Teilprüfungen am gleichmäßigsten und konnte damit die meisten Punkte auf seinem Konto versammeln. Die Richter attestierten dem Sechsjährigen eine „nicht verschleißende“ Galoppade, so wie ein bewegliches und mutiges Verhalten am Sprung.

Überehrgeiziges Reiten

Sarah Schmierer stellte den aus der Zucht von Anton Delke stammenden Sohn des Mac Namara (M.v.Oakley Bubbling On) perfekt vor. Das gelang beileibe nicht allen jungen Reitern. Zwar kam es anders als in den Vorjahren sowohl in der Qualifikation als auch in der finalen Geländerunde zu nur wenigen Ausfällen – darunter ein folgenloser Sturz –, doch monierte das Richtergremium zurecht das häufig überehrgeizige Reiten der Buschponys. Hans Melzer kritisierte: „Gerade unter dem Aspekt der Sicherheit, wollen wir keine Ritte in unangemessen hohem Tempo sehen. Die Ponies müssen immer sicher springen können!“

Rasante Ritte nicht honoriert

So kam es, dass nach manch rasantem Ritt auf einem ohne Frage potentiellen Buschtalent letztlich nur eine vergleichsweise niedrige Bewertung folgte. Nicht so bei Mogli (v. MunserII, M.v. Black Horse), der von Lukas Wappler zum Sieg in der Teilprüfung Gelände pilotiert wurde. Mit 9,2 gewann der von Volker Tonn gezogene Rapphengst diese Wertung überlegen. „Mutiges Zuspringen, eine geschlossene und raumgreifende Galoppade sowie viel Übersicht“, so die positive Bewertung. Da es in Dressur und Springen zuvor nicht optimal gelaufen war, fanden sich die beiden am Ende auf Platz vier.

Kontinuierliche Leistungen

Vizechampion wurde der von Paulina Herzog präsentierte Sunny Side Up (v.Welcome Sympatico, M.v. Donauwind). Der sechsjährige Holsteiner Hengst aus der Zucht von Angela Colell-Jensen zog die drittbeste Runde durch den Cross und überzeugte ebenfalls durch kontinuierlich gute Leistungen. Rang drei ging an die sechsjährige Westfalenstute Top Nubia (v. Topnatrejo, M.v. Durello) unter dem Sattel von Laura Hartken. Die Vize-Championess des Vorjahres erreichte mit 8,9 die insgesamt zweitbeste Geländebewertung, hatte im Springen die Nase vorn, patzte aber leider zuvor in der Dressur.

Ergebnisse

Lesermeinungen

Zum zweiten Mal für Warendorf qualifiziert

Bundeschampionesse Rocana ist nicht Württemberger, sondern in Sachsen gezogen und damit "Deutsches Sportpferd". Und die Bekannte, von denen Jungs die Stute gekauft haben, bin ich selbst - da ich ja von der Ausbildung von Nachwuchs-Buschpferden lebe, würde ich mich über eine Erwähnung sehr freuen. Immerhin war Rocana mit mir 5-jährig ebenfalls für Warendorf qualifiziert und ich habe sie beim Züchter, Mirko Glotz, entdeckt und mir auch die Vollschwester gesichert (jetzt 4jährig).

Julia Schmid, Urspring