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Richter haben nicht nur im Reitsport die ehrenvolle Aufgabe, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen (Foto Nahr)

Buschreiter-Kommentar

Badminton und die Objektivität in der Dressur

Es gehört schon viel dazu, dass Bundestrainer Hans Melzer seine fast britisch-distanzierte Wortwahl verlässt und sehr deutlich wird. Am Ostersamstag, zweiter Dressurtag, wetterte er – nicht hinter vorgehaltener Hand, sondern vor diversen Journalisten in der Media Mixed Zone am Rande des Abreiteplatzes von Badminton: "Das macht mich traurig, wie hier Noten hinterhergeschmissen werden, das ist unverständlich, und bei Ruth Edge war das besonders extrem."

Und Ruth Edge wurde tatsächlich mit einer Traumnote von 33.3 an die Spitze des Feldes katapultiert – und das trotz einiger offensichtlicher Fehler, zum Beispiel bei der schlampigen Grußaufstellung.

Bisher hat es die übergroße Ehrfucht vor diesem wunderbaren Event verboten, den Eindruck – in 16 Jahren Badminton gewonnen – einmal offen zu artikulieren: Obwohl bei dem CCI**** natürlich hochqualifizierte und renommierte Richter am Werk sind, kann man sich das eine um das andere Jahr nicht des Eindrucks erwehren, dass ein bestimmtes Klientel auf dem Dressurviereck überaus wohlwollend bewertet wird – um nicht zu sagen: offensichtlich bevorzugt.

Sorry, aber dies sind auffällig häufig britische Paare und die Stars mit nichtenglischem Pass, die auf der Insel nach langjährigen Turnierauftritten praktisch zum Inventar gehören. Welcher Mechanismus es genau ist, der dieser Gruppe von Badminton-Startern einen Bonus verschafft? Hier kann man nur spekulieren.

Hier die Fakten aus der Historie: Seit 1949 gab es 64 Prüfungen in Badminton, bei denen nur 14 Mal Ausländer gewonnen haben – bei der starken Präsenz aus aller Herren Länder eine erstaunlich niedrige Zahl.

Was das Turnier 2011 angeht, bestätigt ein Blick auf die Detailnoten den Eindruck: Blickt man nur auf die fünf englischen Paare unter den Top Ten der Dressur, so sind diese signifikant deutlich besser bewertet worden – und zwar von dem englischen Jury-Mitglied Sue Stewart (Großbritannien), die zum ersten Mal in Badminton gerichtet hat. Und dann liest man ziemlich erstaunt im Programmheft, dass diese Richterin nicht nur Vielseitigkeitspferde züchtet, sondern auch sonst "in all aspects of eventing enthusiastically involved" ist.

Man darf Mrs. Stewart nicht einfach irgendwelche unlauteren Absichten unterstellen, aber wenn man weiß, wie enthusiastically der Vielseitigkeitssport in England betrieben wird und dass er eine nationale Sache im wahrsten Sinn ist, dann kann man nur erahnen, welcher Druck auf einem Richter lasten kann.

Und wer im Glashaus sitzt und ohne Sünde ist...Auch in Deutschland gibt es Richter, die mit der Szene so vielfältig verbandelt sind, dass es sehr schwer fällt, an die reine, unschuldige Objektivität im Richterhäuschen zu glauben. Und wer ist nicht schon einmal vom Dressurviereck geritten und hat sich gedacht: Nicht so toll geritten, aber sehr freundlich bewertet...

Wolf-Dietrich Nahr/buschreiter.de

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Lesermeinungen

Nicht mehr hinschauen?

Was haben wir uns schon über Notengebungen geärgert. Das letzte Mal war es in Le Lion d’Angers. Ein prominentes Beispiel: Bettina Hoy ritt ihr Dressurprogramm und die eigenen Kollegen lachten lauthals auf der Tribüne über die sehr generöse Notengebung des fehlerhaften Programms.

Hat jemand offiziell reklamiert? Sicher nicht. Wenn eine Reiterin oder Reiter sich einen Namen in der Vielseitigkeit oder Dressur gemacht haben, wird einfach mit anderen Maßstäben gerichtet. Was will man machen? Als Begleiter der Reiter einfach nicht mehr hinschauen, da wir ja trotzdem nichts ändern können? Uns auf die Busch-Strecke und das Springen freuen, wo anschliessend alles klar ist?

H. Keller

 

Unglaubliche Notengebung

Schauen Sie einmal die Dressurresultate des 2*-Events in Radolfzell an: Richter bei E wertet eine Reiterin mit Rang 49 und der andere bei C mit Rang 2! Nochmals ein Beispiel: Der Richter bei E benotet eine Reiterin auf Rang 9 und der Richter bei C auf Rang 57!

So könnte ich Ihnen noch mehrere Resultate auflisten! Es gab jedoch auch ein paar wenige Resultate, in denen sich die Richter beinahe einig waren.

Darum: Sei es in England, Deutschland, Frankreich oder in der Schweiz, Reiter oder Zuschauer sind momentan gegen solch unglaubliche Notengebungen machtlos. Überall wo Noten verteilt werden, sind Wettkämpfer auf die Gunst der Richter angewiesen – und dies ist manchmal schon frustrierend.

Ursula Bürgi

 

Gleitsichtgläser benötigt?

Leider kommt es ja häufig vor, dass man sich fragt, nach was denn in der Dressur eigentlich bewertet wird. Nach Bekanntheitsgrad? Nach Name des Reiters oder des Pferdes? Nach persönlichen Geschmack? Nach der Durchschnittsleistung der vergangen Turniere? Oder wird eine Pauschal-Beurteilung (bei jeder Lektion zwischen 6 oder 7) erteilt?

Man wünscht sich eigentlich ein faires, objektives Richten, nachdem die aktuelle Leistung im Viereck beurteilt wird.

Gerade im Topsport, wie kürzlich in Badminton, sollte man voraussetzen können, dass dort qualifizierte Richter/innen sitzen, wo grobe Fehlentscheidungen eigentlich kein Thema sein dürften. Wenn eine Lektion nicht gezeigt wurde oder nur angedeutet, wieso dann nicht eine Note zwischen 0 und 2? Und scheint eine Lektion nahezu perfekt ausgeführt worden zu sein, warum mal nicht die 9 oder 10 auspacken?

Spannend wird auch oft der Vergleich der Protokolle. Natürlich sehen die Richter auf der kurzen Seite aus einer anderen Perspektive als z. B. der Richter Mitte der langen Seite. Wenn aber ein und dasselbe Paar auf die gleiche Lektion jeweils einmal die 4 oder 5 und einmal die 8 bekommt, dann frage ich mich, ob evtl. Gleitsichtgläser benötigt werden oder ob der/die andere gerade etwa gar nicht anwesend war.

Über die Saison verteilt gesehen gleicht es sich dann doch immer wieder aus. Mal fühlt man sich zu schlecht bewertet; das andere Mal freut man sich über mehr Punkte als erwartet. Wenn mir ein/e Richter/in die Benotung nachvollziehbar begründen kann, bin ich zufrieden und werde an den Fehlern arbeiten, die ich selbst bis dato nicht entdeckt hatte. Leider wird aber von den Reitern zu wenig nachgefragt! Vermutlich aus Angst, evtl. auf nachfolgenden Turnieren deswegen schlechter beurteilt zu werden oder nicht „auffallen wollen“…

Andererseits möchte ich auch nicht mit den Richtern tauschen wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, 60 Dressuren zu richten und bei allen 60, bei jeder Lektion 100%ig hinter der gegebenen Note stehen zu können.

Simone Kretschmer