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Juliane Kaup im Zwei- und Vier-Sterne-Cross von Adelaide (Fotos privat)

Adelaide 2010

Volunteering at worlds end

VON JULIANE KAUP

Eigentlich befand ich mich auf Station im australischen Regenwald. Doch durch Zufall bekam ich mit, dass die berühmte Adelaide Horse Show während meiner Zeit in Australien stattfindet – eines der wenigen Viersterne-Events weltweit. Kurz entschlossen schrieb ich dem Veranstalter eine Email mit der Frage, ob sie noch Helfer bräuchten. Dass ich tatsächlich eine Antwort bekommen würde, hatte ich nicht ernsthaft erwartet. Schon einen Tag später erreichte mich die Einladung nach Adelaide. Also setzte ich mich ins Flugzeug, verließ den heißen Norden Australiens und flog ins weit über 2.000 Kilometer entfernte Adelaide…

Buschritt über Stadtautobahnen

Ohne wirklich zu wissen, was auf mich zukommen würde, machte ich mich am Freitagmorgen um halb acht auf den Weg zum Turniergelände, wo mich ein sehr freundliches Team und eine große Überraschung erwartete: Das Turnier fand mitten in der Stadt statt. Wie sollte das gehen? Ein Cross durch die belebte City einer australischen Metropole? Doch sie sind erfinderisch, die Aussis: Der Verkehr wurde lahm gelegt, Straßen kurzerhand abgeriegelt, dick mit Sand abgestreut und in den Streckenverlauf integriert. Einen Buschritt über mehrspurige Hauptstraßen, so etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt.

Tücken des Getränketransportes

Doch von Beginn an: Mein erster Job bestand gemeinsam mit ein paar anderen Mädels in der Richterbewirtung. Tee, Kaffee und kleine, äußerst delikate Cupcakes sollten zu den Richtern transportiert werden. Hört sich leichter an als es war. Denn beim Cateringzelt stellten wir fest: Es gab keine Deckel für die Getränkebecher. Voll gefüllte Becher in einem Golfcaddy über das holprige Terrain bis zu den Richterzelten zu chauffieren, ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest wenn noch etwas Flüssigkeit im Becher verbleiben soll.

Ein Herz für Turnierrichter

Also schnappten wir uns den Wasserkocher und beschlossen, die Getränke vor Ort zuzubereiten. Doch vom Fahrtwind ausgekühlt, kamen wir mit lauwarmem Wasser bei den Richtern an. Netterweise half uns die Besitzerin einer dort aufgestellten Imbiss-Bude aus der Bredouille und erlaubte uns den Wasserkocher an ihre Steckdose anzuschließen. So konnten wir unsere HEIß-Getränke also doch noch servieren und unsere „morning-tea-Runde“ erfolgreich absolvieren. Und schon war es auch Zeit die Lunchpakete an die fleißigen Helfer zu verteilen.

Grober Ungehorsam

Die Richter tafelten im Hauptzelt und wir chauffierten hungrige Richter hin und satte wieder zurück an ihren Arbeitsplatz am Dressurviereck. Ich durfte sogar persönlich ans Steuer. Anschließend hatten wir dann endlich etwas Zeit, einige der Ritte anzusehen. Von den meisten Vorstellungen war ich leider nicht sehr begeistert. Sehr viele Pferde waren im Viereck extrem unrittig und grob ungehorsam.

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Querbeet in der Großstadt: Als ob Australien nicht genug Platz für eine Geländestrecke hat...(Fotos privat)

Dressur: Viel Luft nach oben

Steigen, buckeln, rückwärtsrennen, alles war dabei. Eine finnische Teilnehmerin wäre beinahe im Grünen gelandet, so stark bockte ihr Pferd - an eine anständige Dressur war nicht zu denken. Einige Pferde wirkten, als hätten sie noch nie ein Richterzelt gesehen. Etwas, was ich so eigentlich nicht wirklich nachvollziehen konnte, denn schließlich befand man sich auf 2*-Niveau. Die Noten waren entsprechend. Es gab in den 2* -Abteilungen jeweils nur ein oder zwei Teilnehmer unter 50 Minuspunkten, viele Paare bewegten sich aber im satten 60er- und 70er- Bereich. Wenn ich die Dressurvorstellungen in Adelaide mit denen auf deutschen Veranstaltungen vergleiche, liegen dazwischen Welten.

Nach diesen Beobachtungen schenkten wir den „afternoon tea“ aus und ließen den Turniertag auf dem Hauptplatz ausklingen. Die Stimmung war spitze - lag doch der Sohn des Turnier-Koordinators, Cooper Oborn, nach seiner Dressur im CCI** an zweiter Stelle…

Als "Horse Marshall" im Einsatz

Punkt sieben Uhr in der Früh traf ich mich mit den anderen Freiwilligen an der Meldestelle. Materialien und Lunchpakete wurden verteilt und los ging´s zu den entsprechenden Geländestationen. Mein Job war der des „Horse Marshall“. Ich war also dafür verantwortlich, ausgeschiedene oder gestürzte Reiter und Pferde sicher aus dem Gelände und zum Tierarztzelt zu geleiten, natürlich ohne dabei die laufende Prüfung zu stören. Nach einer kurzen Inspektion der schnellsten und besten Wege aus meinem Bereich setzte ich mich an meinen Sprung und bereitete mich auf einen vermeintlich ereignislosen Tag vor. Ich rechnete absolut nicht damit, dass jemand an meinen relativ einfachen Sprüngen Probleme haben sollte.

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Cross Roads: Die Veranstalter der internationalen Vielseitigkeit in Adelaide machten den Weg frei (Fotos privat)

Gefährliche Innenbahn

Doch bereits in der ersten Prüfung des Tages, dem CCI**, gab es etliche Vorbeiläufer und bald schon musste ich die erste Teilnehmerin nach drei Stops aus dem Gelände geleiten. Im anschließenden CCI**** zeigten sich an meinem Hindernis wie erwartet keinerlei Probleme. Kein einziger Stopp war zu verzeichnen. Allerdings stürzte eine Reiterin mit ihrem Pferd an der darauffolgenden Kombination 10 AB, zwei dicken Tischen auf gebogener Linie, nach dem sie auf die Innenbahn geriet und ihr Pferd sich mutigerweise entschloss, einen halben Galoppsprung zu früh abzuspringen. Dadurch aber konnte es die Weite des Hindernisses leider nicht mehr schaffen und kam zu Fall. Das Pferd galoppierte direkt auf mich zu, und ich konnte es an einem Steigbügelriemen, der als Hilfe um den Hals des Pferdes gelegt worden war, greifen und einfangen.

Nur oberflächliche Schrammen

Nach einem anfänglichen kleinen Schock über das stark blutende Vorderbein, stellte sich dann glücklicherweise schnell heraus, dass es sich nur um ein paar oberflächliche Schrammen handelte. Ich brachte das Pferd zum Tierarztzelt und konnte erst aufatmen, als ich hörte, dass auch die Reiterin wohlauf war.

Die Viersterne-Prüfung blieb ansonsten von meinem Standort aus ohne weitere Zwischenfälle und ich kann hier bilanzieren, dass sowohl die Reiter als auch die Pferde den Ansprüchen einer veritablen CCI**** sicher genügten.

Offensichtliche Reiterfehler

Anders hingegen im CIC**. Hier gab es wiederum einige Probleme, und bei der letzten Reiterin musste ich nochmals ran: Drei ärgerliche Vorbeiläufer ließen sie leider ausscheiden, und so brachte ich sie und ein gefundenes Eisen zurück zum Zielbereich. Alles in allem war ich auch im Gelände vom Niveau der 2*-Prüfungen enttäuscht. Sah ich doch viele unnötige Verweigerungen und offensichtliche Reiterfehler.

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Viel Liebe zum Detail: das Cross von Adelaide (Fotos privat)

Aber: Es gab auch eine Reihe von guten und äußerst willigen Pferden, die dem einen oder anderen Reiter zuweilen sehr aus der Patsche halfen. Die eigentliche Erkenntnis aber war: Eine Geländestrecke quer durch eine Großstadt zu legen, das funktioniert. Mit viel Aufwand zwar, aber nicht ohne gewissen Reiz.

Helfende Pferde

Am Sonntag durfte ich relaxen und das abschließende Springen als Zuschauer genießen. Im Parcours bestätigte sich übrigens mein Eindruck der vorherigen zwei Tage: Im CIC/CCI** gab es sehr viele Abwürfe und Steher. Und genau wie im Gelände gab es viele Pferde, von denen ich absolut beeindruckt war - sie gaben wirklich ihr Bestes, sprangen aus den unmöglichsten Distanzen los und versuchten dadurch, Reiterschwächen auszugleichen. In dem CCI**** änderte sich das Bild. Es gab sehr viele gute und schön anzuschauende Ritte, und es wurde wirklich spannend …

Sieg für Wendy Schaeffer

Am Ende siegte Wendy Schaeffer auf Koyuna Sun Dancer, die mit Koyuna Sun Shine auch noch Platz 3 belegte. Zweiter wurde Christopher Burton auf Newsprint, dieser konnte außerdem den CCI** mit Haruzac siegreich beenden. In der kurzen 2*-Prüfung siegte Shane Rose im Sattel von Statford Neo, Der 20-jährige Lokalmatador Cooper Oborn konnte seinen aussichtsreichen Platz nach Gelände und Dressur nach 16 Springfehlern leider nicht halten…

Alles in allem kann ich sagen, dass ich das australische Three-day-event als eine sehr schöne und einladende Veranstaltung erlebt habe und die Organisatoren und das gesamte Helferteam eine wirklich nette Truppe waren!

Grüße vom anderen Ende der Welt und allen deutschen Eventern eine frohe Winterpause.

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Gute und weniger gute Leistungen waren in Adelaide im Gelände zu sehen (Fotos privat)

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Im Golf-Cart ging es zur Richterbetreuung bei der internationalen Vielseitigkeit.